AHK-Chef Rothgänger: China birgt mehr Chancen als Risiken
Veranstaltung von wito gmbh und Peiner Industrie mit hochkarätigen Experten
![]() Gunter Eckhardt, Bernhard Michels, Rainer F. Voss, Manfred Rothgänger und Dr. Bernd Meier (von links). |
Kein anderes Land auf der Welt fasziniert und verunsichert den Westen so sehr wie China. Auf der einen Seite wird das bevölkerungsreichste Land der Erde als enormer Wachstumsmarkt eingeschätzt, der ausländischen Unternehmen gute Perspektiven bietet. Auf der anderen Seite gilt China wegen der noch niedrigen Lohnkosten als Jobvernichter, der vielen Menschen die berufliche Existenz kostet. „China und Nanchang – Chance oder Bedrohung für die Peiner Wirtschaft“ lautete folgerichtig der Titel einer bestens besetzten Diskussionsveranstaltung, bei der unter anderem Manfred Rothgänger, Geschäftsführer der Deutschen Außenhandelskammer Shanghai, zu Gast war.
Mehr als hundert Gäste waren der Einladung der wito gmbh und des Peiner Industrievereins e.V. gefolgt. Dass nicht nur viele Vertreter regionaler Unternehmen ins Kraftwerk Mehrum kamen, sondern auch Politiker der Peiner Kreistags-Fraktionen, hatte einen guten Grund. Der Landkreis Peine diskutiert zurzeit, ob und in welchem Rahmen er eine Zusammenarbeit mit der chinesischen Millionen-Metropole Nanchang beschließt.
Dass sich deutsche Unternehmen erfolgreich in China, Deutschlands drittgrößtem Handelspartner, etablieren können, steht für Manfred Rothgänger außer Frage. Er verwies auf die Ergebnisse einer Mittelstandsstudie, nach der rund 80 Prozent der befragten deutschen Unternehmen ihre Ziele erreicht hätten. In den vergangenen Jahren, so die Feststellung des Delegierten der Deutschen Wirtschaft in China, hätten sich einige Wachstumsbranchen herausgebildet, in denen das Land auf ausländisches Know-how angewiesen sei. Rothgänger nannte den Umwelt- und Energiebereich, die Automobilindustrie, den Maschinen- und Anlagenbau, die Gesundheitstechnik, den Dienstleistungssektor und das Verkehrswesen. „Ich werde häufig gefragt, ob ich nicht deutsche Unternehmen kenne, die nach China gehen, hier investieren und ihr Know-how mitbringen wollen“, sagte Rothgänger.
Aber, so der gebürtige Westfale, „es ist nicht alles Gold, was glänzt“. In den vergangenen Monaten hätten sich zwei große Problemfelder aufgetan: Im Zuge der Olympischen Spiele haben deutsche Unternehmer Schwierigkeiten, Visa zu bekommen; und aus Furcht vor Anschlägen gibt es eine Reihe von Waren, die nicht mehr durchs Land transportiert werden dürfen. Dennoch lautet Rothgängers Fazit: Für ein Unternehmen, das auf dem chinesischen Markt aktiv werden will, „sind die Chancen größer als die Risiken“. Zumal das Ausbildungsniveau der Chinesen, ihr Einkommen und ihre Konsumfreudigkeit weiter steigen werden. Die viel zitierte Meinung, dass Unternehmen zu Gunsten des China-Geschäfts Jobs in Deutschland abbauen würden, entbehrt nach Meinung von Rothgänger jeder Grundlage. Vielmehr sichere das Engagement in China in der Regel Arbeitsplätze oder schaffe neue.
Auch Rainer F. Voss, selbstständiger Unternehmensberater und Chinakenner, betonte, dass das Reich der Mitte deutschen Unternehmen eine Menge Möglichkeiten eröffnet – wobei das Land mittlerweile in der Lage sei, sich unter den Anwärtern „die Rosinen herauszupicken“. Die Währung für den Marktzugang nach China sei nicht Geld, sondern Wissen, sprich: der Technologie- und Know-how-Transfer. Das Schwergewicht China werde in Zukunft noch größer werden, meint Voss. Für deutsche Unternehmen bedeutet das: „Wenn man China nicht schlagen kann, muss man eben mit rein ins Boot.“
Beide Experten waren sich darin einig, dass der Schritt nach China einer sehr guten Vorbereitung bedarf. „Man braucht erstens Geduld und zweitens persönliche Kontakte“, sagt auch wito-Geschäftsführer Gunter Eckhardt. Manfred Rothgänger, Gunter Eckhardt und Dr. Bernd Meier, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Braunschweig, machten Peiner Unternehmern das Angebot, ihnen beim Markteintritt zu helfen und zuallererst zu prüfen, ob ihr Geschäftsvorhaben in China Erfolgsaussichten hat. Die mögliche Zusammenarbeit zwischen Peine und Nanchang sieht IHK-Geschäftsführer Meier schon einmal positiv. Eine Partnerschaft, die nicht nur die Politik und Kultur, „sondern insbesondere die Wirtschaft einbindet, scheint erfolgversprechend zu sein“.



